sanfte grüne Vulkane 

Im Land der grünen Vulkane

Radtour durch Frankreichs Zentralmassiv

Zuerst mal heißt es Schrauben und Pumpen: Für den Flug war bei den Rädern die Luft abgelassen und Pedalen und Lenker mussten raumsparend befestigt werden. Da Fahrrad-Fluggäste eher eine Seltenheit sind (teilweise in den Flughäfen noch bestaunt werden), gehört der pflegliche Umgang mit diesem Fortbewegungsmittel noch nicht unbedingt zum Service. Als das erledigt und das Gepäck verzurrt war, versuchten wir so schnell wie möglich dem Großflughafen Lyon Saint-Exupery mit seinen mehrspurigen Zufahrtsstraßen aus allen Himmelsrichtungen zu entkommen.

Die Landschaft ist leicht hügelig, erinnert an Fläming oder Uckermark in Brandenburg. Aber schon bald, nach Überquerung der Rhone, gewinnt die Straße oftmals serpentinenartig an Höhe - als Vorgeschmack auf die Bergketten der Auvergne. Westwärts der Loire dann sind nicht mehr nur Hügel zu überqueren, sondern die Forez-Berge und ein Etappenziel, das Städtchen St.Germain, liegt in 1050m Höhe im Livradois-Gebirge. Kilometerlange Abfahrten entschädigen, erfordern weniger physische als psychische Anspannungen. Kein Wunder: Bei Geschwindigkeiten teilweise weit über 50 km/h muss jeder Lenkfehler vermieden, jedes Loch, jeder Stein umfahren werden.

Die Etappenlänge schwankt je nach Tagesform bzw. –ziel (Vorwärtskommen oder Besichtigungen vor Ort) zwischen 35 und 140 km. Dazu „knallt“ die Sonne. Gewitter reagierten sich in diesen Tagen nur nachts ab.

Es gibt zwei regionale Naturparks: Den Park der Vulkane im Westen und den Livradois-Forez im Osten. Der Park der Vulkane offeriert grandiose Landschaften, der Livradois-Forez vereint die Sanftmut der Toscana mit der schönen Wildheit ausgedehnter Wälder... wie es poetisch in einem der vielen hier erhältlichen Prospekte heißt.

Viele Dörfer und Städte gleichen in ihrer Idylle dem Klischee französischer Filme und die Namen tun ein Übriges, diesen Eindruck zu verstärken: St.Bonnet-le-Chateau, Les 4 Routes, St. Symphorien, St. Nectaire... Im Puy-de-Dome werden mehr als 250 Gebäude im romanischen Stil gezählt. Der besondere Stil der Auvergne zeigt sich an Sakralbauten in Clermont-Ferrand, Issoire oder Saint-Nectaire.

Dann endlich ragen sie majestätisch am Horizont auf, die grünbewachsenen Kegel der Vulkane, dazu Seen und Wälder... Im Departement Puy-de-Dome hat sich "die Natur schön gemacht". Sie bietet sich darüber hinaus auch im Kleinen an: Bäume, Teiche, Hügel.

Das Puy-de-Dome vereint in sich Vielseitigkeit und Kontrast: Vor der blau-grünen Silhouette der Kette der Puys breitet sich das Hochplateau von Cèzalier aus... die abrupten Hänge des Sancy-Massivs gegenüber der sanft-hügeligen Landschaft des Livradois-Forez.

Am Pass Col de Guéry (1268m) weitet sich die ansonsten mit Leitplanken eng begrenzte Straße zu einem Aussichtspunkt. Der Blick in die von Lava geformten Felsformationen, lässt erahnen, mit welcher Urgewalt hier noch vor einigen zehntausend Jahren das Magma aus dem Erdinnern schoss. Informationstafeln und Ausstellungsräume taten ein übriges, um sich in die Urzeit hinein versetzen zu können. Ein Produkt der Auvergne ist mittlerweile auch in Deutschland populär – Mineralwasser aus Volvic, mit der grünen Vulkanlandschaft auf dem Etikett.

Bezeichnet werden die Vulkangipfel mit „Puy“. So ist der Puy de Pariou der schönste mit seinem kreisrunden sattgrünen Krater und der Puy de Sancy mit 1885m der höchste. Um dort hoch zu gelangen nutzen wir, abgesehen vom An- und Abflug, das einzige Mal ein anderes Verkehrsmittel: Seilbahn fahren hat nun mal auch seinen Reiz...

Auf dem Gipfel des Puy-de-Dome zeugt der römische Merkurtempel davon, dass dieser Berg schon immer die Menschen fasziniert hat. Die Kette der Puys bildet heute ein einzigartiges Wandergebiet. Es ist auch ein Paradies für Paragliding. Das Wasser, der Boden, die Felsen, Kraterseen wie der Pavin oder der Lac de Guèry haben der Landschaft ihren Charakter gegeben.

Die Fahrradverrücktheit der Franzosen ist alltäglich und nicht nur auf die Tour de France beschränkt. Die allgegenwärtigen Freizeitsportler brauchen den Vergleich mit dem großen Vorbild nicht zu scheuen - zwar nicht hinsichtlich der Geschwindigkeit, wohl aber bei Bekleidung und Gerät. Das Rad wird zum Sporttreiben genutzt– nicht etwa mit Gepäck oder gar als „banales“ Verkehrsmittel.
So fallen wir beiden deutschen Radler mit unseren bepackten Treckingrädern eben auf – werden angesprochen oder unterwegs (besonders bergauf!) angefeuert (kurzes mehrmaliges Hupen oder Winken aus dem Auto). Und immer wieder wird die Tour de France erwähnt...

Tage später nimmt sich die Kassiererin im Supermarkt wenige Minuten vor Ladenschluss die Zeit, den offensichtlich ziemlich erschöpften ausländischen Radtouristen mit Hilfe des Kassenzettels den Weg zum nächsten Zeltplatz zu erklären...

Fahrradtransport mit dem Flugzeug

Die Fahrradmitnahme sollte auf jeden Fall bei der Fluggesellschaft vorher angemeldet werden. Manche Fluggesellschaften verlange für die Mitnahme einen Aufpreis, manche nichts bzw. nur für Übergepäck, falls das Limit überschritten ist. Wegen der doch recht „grobschlächtigen“ Gepäckverladung empfiehlt es sich, empfindliche Teile zu sichern und eine Gepäckversicherung abzuschließen (z.B. ca. 20 Euro für einen Wert von 1500,- Euro). Am Zielort erhält man die Räder mit einem „Platten“ zurück – wenn man die Luft nicht selbst abgelassen hat, tut es das Personal.