Wir erreichten den Guadiana dort, wo er sich, auf wenige Meter zusammen gepresst, zi-schend und sprudelnd in
einen mit seinen hochaufragenden Rändern unheimlich wirkenden Felsenkessel ergießt. Die letzten hundert Meter mussten
wir zu Fuß hinab steigen. Ein Wolf soll hier mit einem beherzten Sprung an das andere Ufer seinen Jägern entkommen sein,
daher der Name Pulo do Lobo (Wolfssprung). In die Felsenfläche neben dem Fluss schliff das Wasser in jahrzehntausendelanger
Arbeit Windungen, Löcher und Höhlungen. Der glattgewaschene Schiefer mit seiner Maserung erschien uns wie das Wurzelgeflecht
eines urzeitlichen Baumriesen....
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Wo der Fluss bergauf fließt
Stille Dörfer und ausgedehnte Oliven- und Korkeichenhaine säumten unseren weiteren Weg. Unter den Eichen fraßen
sich schwarze Schweine ihr Fleischgewicht für das Schlachten an. Und immer wieder dieser weite Himmel....
Mértola. Viele Kilometer weiter. Träge grüßte uns hier der Guadiana. In der Residencial Bei-ra-Rio fanden wir die
stilvollste Unterkunft der Tour - abgestimmte Farben bei der Innenges-taltung, geschmackvolle Zimmer mit Blick auf den
Fluss und das Castelo hoch darüber. Wir genossen es sichtlich. Die Nacht davor hatten wir an einem Stausee gezeltet,
romantisch - der Mond spiegelte sich im Wasser. Aber es geht eben doch nichts über eine Dusche am Abend ....
Sich ausbreitend, sprudelnd, träge - so erlebten wir den Guadiana bis dahin. Aber erst auf der letzten Etappe, bei der
Rast in Alcoutim, verblüffte er uns. Er floss deutlich rückwärts, berg-auf! Die Ankertaue der Boote zeigten straff nach
Norden. Sollte der Atlantik wirklich so weit, ca. 40 km, landeinwärts drücken?
Ab Alcoutim konnten wir endlich den Fluss nicht nur überqueren, sondern einige Kilometer begleiten - auf einer guten
Straße mit immer neuen Aus- und Ansichten hinter jeder Kurve. Wir verabschiedeten uns bei Foz de Odeleite vom Guadiana
über einen steilen Anstieg.
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Zeltplatzfreuden am Atlantik
Vila Real de Santo António begegnete uns bereits weit vor der Stadtgrenze laut, denn uns bleib keine andere Wahl, als
auf dem Standstreifen der autobahnähnlichen Nationalstraße hinein zu rollen. Inmitten von Dauercampern auf dem Platz in
Monte Gordo errichteten wir unser Zelt. Als wir einer Dame aus dem Nachbarzelt auf ihre Frage sagten, wir blieben nur
eine Nacht, schien sie erleichtert. Sie hatte auch nicht viel von uns, da wir uns gleich in den Atlantik stürzten. Am
Morgen dann brachte uns ein älterer Herr vom Zelt gegenüber Tisch und Stühle. Radfahrer sollten wenigstens beim Frühstück
ordentlich sitzen...
Nun stehen wir mit unseren Rädern auf der Fähre, die uns von Vila Real de Santo António nach Ayamonte, "zurück" nach
Spanien bringt. Der Guadiana zeigt sich hier gemächlich. Das Wasser kräuselt sich, als ob es sich nicht für eine Richtung
entscheiden kann, und... überlässt sich dem Atlantik.
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